Eine weitere Fehlerquelle ist die Verwechslung von Augen und Geizen. Geizen sind Sommertriebe, die aus dem Blattachselbereich austreiben. Sie tragen keine Knospenanlagen für das nächste Jahr in der gleichen Weise wie die Winteraugen. Wer bei der Zählung Geizen mitrechnet, kommt auf zu hohe Zahlen und schneidet zu schwach. Ebenso falsch ist es, nur nach der Anzahl der Knoten zu gehen. Ein Knoten kann ein kräftiges Auge, ein schwaches Auge oder gar keines enthalten. Der Blick auf die Knospe bleibt entscheidend.
Ein gut aufgebauter Obstbaum zeigt drei Zonen. Ganz oben der Leittrieb, der einmalig die Spitze bildet. Darunter die Gerüstäste, auch Leitäste genannt. Sie gehen in einem flachen Winkel von etwa 45 bis 60 Grad vom Stamm ab und tragen später das Hauptgewicht der Ernte. Ganz unten, direkt am Stamm, sitzen die Fruchtäste oder schwache Triebe, die früh Früchte bringen, aber kein Gerüst bilden. Wer diese Ebenen verwechselt und einen Fruchtast als Leittrieb behandelt, schneidet die falschen Triebe und wundert sich, dass der Baum nicht in die Höhe kommt.
Wer den Ertrag dosieren will, sollte nach dem Schnitt die verbliebenen Augen grob überschlagen und mit dem Vorjahr vergleichen. Hat die Rebe im Vorjahr überlastet, werden weniger Augen stehen gelassen. War sie zu schwach, darf man etwas mehr Augen anschneiden. Wichtig ist, die Zählung nicht als starre Zahl zu behandeln, sondern als Werkzeug. Wer die Augenqualität prüft, den Standort berücksichtigt und die Reaktion der Rebe beobachtet, trifft den Ertrag im nächsten Jahr deutlich genauer.
Viele Hobbygärtner schneiden ihre Gehölze entweder zu oft oder zu radikal. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern im Ziel: Formschnitt erhält eine gewünschte Wuchsform, Radikalschnitt verjüngt oder entfernt große Pflanzenteile. Wer das verwechselt, schadet dem Gehölz nachhaltig.
Zum Schluss wird die Hecke von oben nach unten kontrolliert. Eine gerade Kante erkennt man nicht nur an der Oberfläche, sondern auch daran, dass die Seitenflächen senkrecht verlaufen und keine Dellen aufweisen. Wer die Schnüre erst nach dem Schneiden entfernt, kann die Kanten noch korrigieren. Die Stäbe werden zum Schluss gezogen, die Schnur aufgerollt und für den nächsten Schnitt aufbewahrt. Auf diese Weise bleibt die Hecke über Jahre in Form, ohne dass sich Wellen einschleichen.
Ein häufiger Fehler ist, Formschnitt und Radikalschnitt in einem Jahr zu kombinieren. Wird eine Hecke zunächst in Form gebracht und danach radikal zurückgesetzt, fehlt dem Gehölz die Kraft für den Neuaustrieb. Besser ist es, einen Radikalschnitt nur alle paar Jahre durchzuführen und dazwischen leichten Formschnitt. So bleibt die Pflanze vital. Bei blühfreudigen Sträuchern wie Forsythie oder Flieder ist zusätzlich der Blühzeitpunkt zu beachten: Radikalschnitt direkt nach der Blüte fördert die nächste Saison, Formschnitt im Frühjahr entfernt dagegen die Knospen.
Was ein Auge wirklich leistet Ein Auge ist eine Knospe, die im Sommer des Vorjahres angelegt wurde. Nur die kräftigen, gut ausgebildeten Augen treiben zuverlässig aus und bringen fruchtbare Gescheine. Kleine, zugespitzte oder beschädigte Augen am Triebgrund zählen zwar mit, bringen aber selten einen guten Fruchtansatz. Deshalb gilt: Zähle nicht die Gesamtzahl der Augen, sondern die Anzahl der brauchbaren Augen. Als brauchbar gilt ein Auge, das prall, rund und unbeschädigt ist. Wer nur nach Zentimetern oder Knoten zählt, ohne die Augen zu prüfen, schneidet an der Realität vorbei.
Beim Rebschnitt entscheidet nicht die Zahl der Augen am Stock über den Ertrag, sondern die Qualität der Augen und die Verteilung der Reserven. Zählen ist kein Selbstzweck, sondern eine Methode, um die Triebkraft der Rebe an den Standort, die Sorte und das Vorjahr anzupassen. Wer einfach blind jede Knospe mitzählt, produziert entweder Überbehang oder eine überlastete Pflanze im Folgejahr.
Wann das Bluten auf ein Problem hinweist Harmlos ist das Bluten, solange die Flüssigkeit klar ist und der Austrieb kräftig erfolgt. Problematisch wird es, wenn der Saft trüb, schleimig oder übelriechend ist. Dann deutet das auf eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen hin, oft an schlecht verheilten Schnittwunden. Auch wenn der Rebstock über Wochen stark blutet und dabei Welkeerscheinungen zeigt, stimmt etwas nicht. Ein weiteres Warnsignal: Das Bluten setzt bereits im Winter ein, wenn die Temperaturen stark schwanken. In solchen Fällen sollte man den Standort und die Nährstoffversorgung überprüfen.
Zweimal tragende Sorten brauchen einen anderen Zeitpunkt Zweimal tragende Sorten, häufig Herbsthimbeeren genannt, bringen im September und Oktober Früchte an den einjährigen Ruten. Diese Ruten können im darauffolgenden Sommer ein zweites Mal tragen, allerdings schwächer. Zwei Vorgehensweisen sind üblich. Für eine kräftige Herbsternte schneidet man im Spätwinter alle Ruten bodennah ab. Für eine zusätzliche Sommerernte lässt man die stärksten Ruten stehen und kürzt nur die Spitzen. Beide Wege sind richtig, aber nicht im selben Jahr am selben Stock.
