Der richtige Zeitpunkt liegt unmittelbar nach dem letzten Pflücken. Bei den meisten Sorten ist das je nach Region und Witterung zwischen Ende Juli und Mitte August. Sobald die letzten Beeren reif sind, sollte man nicht wochenlang warten. Der Schnitt erfolgt bodennah, etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Erdboden. Alle Triebe, die in diesem Jahr getragen haben, werden komplett entfernt — erkennbar daran, dass sie Früchte trugen, verholzt und meist bräunlich sind. Die jungen, grünen Ruten, die im selben Jahr neu aus dem Boden kamen, bleiben stehen. Sie sind das Fruchtholz für das nächste Jahr.
Abspannen bedeutet, einen Ast mit einem Seil oder Gurt so zu sichern, dass er nicht weiter absinkt oder ausschwingt. Das ist sinnvoll, wenn der Ast noch lebt und der Baum erhalten bleiben soll. Ein typischer Fall: Ein tiefer Ast wächst in den Gehweg hinein, würde aber beim Absägen eine große Wunde am Stamm hinterlassen. Hier kann ein Seil, das an einem stärkeren Ast oder einem Pfahl befestigt wird, den Ast anheben und in eine ungefährliche Position bringen. Wichtig ist, dass der Ast nicht dauerhaft unter Spannung steht, sonst entstehen Risse im Holz.

Als Nächstes gehen die nach innen wachsenden und die sich kreuzenden Äste. Ein Ast, der quer durch die Krone wächst, scheuert an anderen und schafft offene Wunden, in die Pilze eindringen. Von zwei sich kreuzenden Ästen bleibt derjenige, der flacher und in die gewünschte Richtung wächst. Die Leitäste, also die drei bis fünf Hauptäste, die das Gerüst bilden, bleiben grundsätzlich stehen. Sie werden nur eingekürzt, wenn sie zu lang und dünn sind, oder auf einen kräftigen Seitentrieb abgeleitet. Zu dicht stehende Fruchtäste am Ende der Leitäste werden ausgedünnt, sodass zwischen ihnen eine Handbreit Luft bleibt. Das fördert große, gut gefärbte Äpfel.
Wann Abspannen an die Grenzen stößt Abspannen ist keine Lösung für morsche oder bereits gebrochene Äste. Wenn das Holz im Inneren hohl ist oder die Rinde großflächig fehlt, hält kein Seil der Welt den Ast sicher. In solchen Fällen führt kein Weg am Absägen vorbei. Auch bei Ästen, die über Gebäuden oder Stromleitungen hängen, ist Abspannen oft zu unsicher: Ein plötzlicher Windstoß oder Materialversagen kann den Ast trotz Sicherung bewegen. Vor dem Abspannen muss deshalb geprüft werden, ob der Ast überhaupt gesund ist. Klopfen mit dem Knöchel oder ein Blick auf Pilzfruchtkörper am Stamm geben erste Hinweise.
Die drei Ebenen im Baum erkenn
Wer den Schnitt konsequent direkt nach der Ernte durchführt, erleichtert sich die Arbeit doppelt: Die alten Ruten lassen sich noch leicht von den jungen unterscheiden, und der Boden bleibt bis zum Herbst sauber. Ein später Schnitt im Frühjahr ist zwar möglich, aber riskant. Die jungen Triebe sind dann bereits ausgetrieben, und man beschädigt sie leicht. Außerdem verzögert sich die Entwicklung, was den Erntebeginn nach hinten verschiebt. Nach dem Schnitt empfiehlt sich eine leichte Düngergabe mit Kompost, um die neuen Ruten zu stärken. Auf starken Stickstoffdünger im Spätsommer sollte man verzichten, weil er weiches Gewebe fördert, das frostempfindlich ist.
Sommerhimbeeren tragen am zweijährigen Holz. Das heißt: Ein Trieb wächst im ersten Jahr heran, überwintert und bildet im zweiten Jahr die Früchte. Nach der Ernte ist dieser Trieb erschöpft und stirbt ohnehin ab. Wer ihn stehen lässt, verschwendet Platz, Licht und Nährstoffe an totes Holz, das keine einzige Frucht mehr bringen wird. Der Rückschnitt nach der Ernte ist deshalb keine Geschmacksfrage, sondern eine Voraussetzung für gleichmäßige Erträge im Folgejahr.
Ein häufiger Fehler ist, das Seil einfach um den Ast zu wickeln und irgendwo festzubinden. Dadurch entsteht eine Scheuerstelle, durch die Krankheitserreger eindringen. Besser ist ein breiter Gurt oder ein Seil mit einer Unterlage aus Gummi oder Stoff. Die Befestigung am Baum darf nicht in die Rinde einschneiden. Wer unsicher ist, sollte einen Baumkletterer oder einen Fachbetrieb für Baumpflege hinzuziehen. Abspannen erfordert Erfahrung mit Zugrichtung und Hebelwirkung – ein falsch angebrachtes Seil kann den Ast sogar noch stärker belasten.
Häufige Fehler sind zu dicke Auflagen, das Aufbringen von frischem Nadelholz direkt an junge Wurzeln und das Vermischen mit Küchenabfällen. Nadelhäcksel versauert den Boden und sollte nur unter Rhododendren, Heidelbeeren oder Koniferen verwendet werden. Wer den Mulch im Herbst dick aufträgt und im Frühjahr nicht abnimmt, riskiert, dass der Boden zu langsam abtrocknet und Kulturen später starten. Bei starkem Regen kann feines Häckselgut zusammengeschwemmt werden; dann verteilt man es neu oder mischt grobe Holzstücke unter.
Beim Ausdünnen der jungen Ruten gilt: weniger ist mehr. Pro laufendem Meter sollten nicht mehr als acht bis zehn kräftige Neutriebe stehen bleiben. Alles, was dünn, verkümmert oder von innen nach außen wächst, wird entfernt. So bekommt jeder verbleibende Trieb genug Licht, und die Früchte reifen gleichmäßiger. Die Ruten werden anschließend an einem Drahtgerüst oder an Pfählen festgebunden, damit sie bei Wind und Regen nicht umknicken. Ein zu dichter Bestand ist die häufigste Ursache für Grauschimmel und kleine, saure Früchte.