Ein Schnitt ist dagegen die richtige Wahl, wenn der Ast krank, abgestorben, zu dicht stehend oder für die gewünschte Kronenform überflüssig ist. Auch Konkurrenztriebe, die einen Leittrieb bedrängen, werden entfernt, nicht abgespannt. Der Schnitt erfolgt nach der bewährten Methode: erst ein Entlastungsschnitt von unten, dann der eigentliche Schnitt von oben, damit die Rinde nicht einreißt. Ein Stummel von einigen Zentimetern bleibt stehen, der später sauber nachgeschnitten wird.
Zuerst die Wunde prüfen: Liegt sie in einer Hautfalte, an der Ferse oder unter einem Druckverband? Dann die Auflage wählen. Ein saugfähiger Wundverband mit Gel- oder Schaumstoffkern nimmt Exsudat auf und gibt Feuchtigkeit gleichmäßig ab. Bei stark nässenden Wunden reicht eine dünne Kompresse nicht. Sie muss das Sekret aufnehmen, ohne am Wundgrund festzukleben. Trockene Wunden dagegen brauchen keinen saugenden Verband, sondern Schutz vor Austrocknung.
Eine Säge schneidet mit Zähnen, die Späne abtragen statt Material zu quetschen. Das ist der entscheidende Unterschied. Beim Totholzschnitt kommt es auf eine saubere Schnittfläche an, damit keine Risse ins gesunde Holz laufen und Pilze keinen Eintritt finden. Eine Schere hinterlässt Quetschungen und Stauchungen an der Rinde, die als Eintrittspforten dienen. Wer trotzdem zur Schere greift, weil sie gerade greifbar ist, produziert genau die Wunden, die später ausbrechen.
Der Schnitt selbst erfolgt in zwei Stufen. Zuerst einen Entlastungsschnitt von unten ansetzen, etwa eine Handbreit vom Stamm entfernt, um das Eigengewicht des Astes aufzufangen. Dann von oben durchsägen. Ohne diesen Entlastungsschnitt reißt der Ast beim Durchtrennen ab und zieht einen Streifen Rinde mit. Dieser Rindenabriss ist der häufigste Fehler beim Totholzschnitt. Wer nur von oben sägt, weil es schneller geht, zahlt später mit einer großen Wunde am Stamm.
Werkzeugwahl nach Durchmesser und Holzart Für dünne, trockene Zweige bis etwa fingerdick reicht eine scharfe Bypass-Schere, sofern das Holz nicht völlig ausgehärtet ist. Alles darüber gehört auf die Säge. Eine Klappsäge mit japanischer Zahnung oder eine Bügelsäge mit grober Zahnung schneidet totes Holz kraftsparend. Entscheidend ist die Zahngeometrie: Grobe Zähne mit Spanräumen verhindern, dass sich Sägemehl setzt und die Säge blockiert. Feine Zähne verkleben bei harzhaltigem Totholz schnell. Vor dem Schnitt prüfen, ob die Säge scharf ist — eine stumpfe Säge rutscht über die harte Oberfläche und verletzt die Rinde an falscher Stelle.
Vom 1. Oktober bis zum 28. Februar dürfen Hecken stark zurückgeschnitten werden. Dann sind auch größere Eingriffe möglich, sofern keine Tiere gestört werden. Ein häufiger Fehler: Viele glauben, der 1. Oktober sei ein Freibrief für den Radikalschnitt. Doch auch dann gilt Rücksicht auf überwinternde Tiere. Ein weiterer Irrtum betrifft die Länge: Ein „Pflegeschnitt" ist nicht automatisch erlaubt, nur weil er kurz ist. Entscheidend ist, ob die Hecke danach noch als Lebensraum dient. Wer unsicher ist, sollte vor jedem Schnitt prüfen, ob Nester oder Höhlen sichtbar sind. Im Zweifel lieber auf das Ende der Schonzeit warten.
Der Süßkirschenbaum trägt seine Früchte am mehrjährigen Holz. Wer nach der Ernte zu lange wartet, schneidet in Knospen, die im nächsten Jahr tragen sollen, oder in frisch austreibende Triebe, die noch nicht verholzt sind. Beides kostet Ernte. Deshalb gilt: Der Schnitt erfolgt unmittelbar nach dem Pflücken, solange die Blätter noch aktiv Photosynthese betreiben und die Wunden schnell überwallen.
Abgespannt wird ein Ast, wenn er für die Kronenform oder die Statik des Baumes gebraucht wird, aber sein Eigengewicht oder das Gewicht von Schneelast und Laub die Bruchgefahr erhöht. Typische Fälle sind lange, waagerecht wachsende Äste an Obstbäumen, stark belastete Leitäste junger Bäume oder Äste über Wegen und Dächern, die man nicht einfach entfernen will. Auch nach einem starken Rückschnitt treibt ein Baum oft kräftig aus; diese neuen Triebe können so schwer werden, dass ein Abspannen des tragenden Astes sinnvoll ist, bis sich die Kronenbalance wieder eingestellt hat.
Die drei sicheren Fenster für den Schnitt Das erste Fenster liegt vor dem Schwellen der Knospen, meist im späten Winter oder zeitigen Frühjahr. Jetzt ist die Pflanze in Ruhe, Wunden heilen langsam, aber der Austrieb startet ungestört. Das zweite Fenster öffnet sich, wenn die ersten Blätter vollständig entfaltet und ausgereift sind – erkennbar daran, dass sie ihre endgültige Größe und Farbe erreicht haben. Ein Schnitt jetzt entfernt nur überflüssiges Holz, ohne die Versorgung zu stören. Das dritte Fenster liegt nach dem Austrieb, wenn die Triebe verholzt sind. Dann lassen sich Form- und Auslichtungsschnitte sauber setzen.
Nach dem Schnitt braucht der Baum keine spezielle Pflege, aber eine ausreichende Wasserversorgung bei Trockenheit hilft beim Verschließen der Wunden. Düngen Sie nicht sofort; ein Überangebot an Stickstoff treibt weiches, anfälliges Holz. Wer diese Reihenfolge einhält — erst ernten, dann sofort schneiden, dann in Ruhe lassen —, hält den Baum gesund und sichert sich für das nächste Jahr eine volle Ernte.