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Was der Untergrund wirklich verlan

Schiefe Wände sind im Altbestand die Regel, nicht die Ausnahme. Wer Putz oder Trockenbau einfach auf den Bestand aufbringt, überträgt jede Unebenheit in die neue Oberfläche. Der Ausgleich beginnt deshalb nicht mit dem Spachtel, sondern mit einer Kontrolle: Lot und lange Wasserwaage an mehreren Stellen ansetzen, um festzustellen, ob die Wand lotrecht steht, ob sie in sich verwölbt ist und wie tief die stärkste Abweichung liegt. Erst wenn diese Werte bekannt sind, lässt sich entscheiden, ob Ausgleichsputz, eine Vorsatzschale oder eine Kombination sinnvoll ist.

Bevor der Bohrer angesetzt wird, gehört eine Ortung zum Standard. In Wänden verlaufen Stromleitungen, Wasserrohre, teilweise Gasleitungen und immer häufiger auch Leerrohre für Netzwerk oder Satelliten. Diese Leitungen liegen nicht nach einem einheitlichen Muster. Sie können waagerecht, senkrecht oder diagonal verlaufen, oft in Nischen oder direkt unter dem Putz. Eine Leitung lässt sich nicht an der Farbe der Wand erkennen – nur mit einem geeigneten Messgerät.

Erst messen, dann markieren, dann bohren Für die Ortung gibt es mehrere Verfahren. Metallortungsgeräte reagieren auf stromführende Leitungen und Metallrohre, kapazitive Geräte auf spannungsführende Adern. Kombigeräte decken beides ab und zeigen zusätzlich die Tiefe an. Vor dem Einsatz sollte man das Gerät kalibrieren – am besten an einer Stelle, von der man sicher weiß, dass dort eine Leitung liegt. Danach fährt man die Wand langsam und gleichmäßig ab, nicht ruckartig. Wird ein Signal gefunden, markiert man den Bereich mit Klebeband oder Kreide und bohrt mit deutlichem Abstand daneben.

Beim Streichen mit der Rolle entscheidet nicht der Druck, sondern die Reihenfolge. Wer Bahn für Bahn nebeneinander setzt und jede Bahn trocknen lässt, bevor die nächste folgt, produziert unweigerlich Ansätze. Die Farbe zieht an der Kante der vorigen Bahn an, und dort bleibt ein dunklerer Streifen stehen. Das lässt sich auch mit teurer Farbe nicht retuschieren. Die Lösung ist das Arbeiten nass in nass: Die nächste Bahn wird angesetzt, solange die vorige noch feucht ist, sodass beide miteinander verlaufen. Nur so verbindet sich die Farbe zu einer geschlossenen Fläche.

Für die weitere Arbeit wird eine Führungsschnur gespannt. Dazu zwei Schrauben oder Dübel in Wandnähe setzen, eine oben, eine unten, und die Schnur straff zwischen ihnen ziehen. Die Schnur markiert die geplante fertige Wandebene, nicht den Ist-Zustand. Sie läuft parallel zum Boden und im Lot, damit die neue Fläche später senkrecht steht. Bei längeren Wänden empfiehlt sich eine zweite Schnur in der Mitte, um ein Durchhängen zu erkennen. Wer die Schnur nur nach Augenmaß setzt, produziert schnell eine neue Schiefe, die später kaum zu korrigieren ist.

Für größere Abweichungen ist eine Vorsatzschale aus Profilen und Platten oft wirtschaftlicher als meterdicker Putz. Die Profile werden nach der gespannten Schnur ausgerichtet, nicht nach der alten Wand. Zwischen Bestand und neuer Schale bleibt ein Hohlraum, der mit Dämmstoff gefüllt werden kann. Typischer Fehler: Die Profile nur an wenigen Punkten befestigen, sodass sie sich beim Beplanken durchbiegen. Ebenso problematisch ist es, die Schnur nach dem Setzen der ersten Platten zu entfernen, ohne die Ausrichtung zwischendurch zu prüfen.

Wie die Bahnen tatsächlich gelegt werden Gestrichen wird in zusammenhängenden Bahnen von oben nach unten, ohne zwischendurch abzusetzen. Eine Bahn ist etwa so breit wie zwei Rollenbreiten, damit sie in einem Zug zu schaffen ist. Nach dem Auftragen wird die Farbe mit leichtem Druck in die Fläche verteilt, danach mit weniger Druck und ohne erneutes Eintauchen in Längsrichtung nachgezogen. Dieser letzte Zug glättet die Rollenstruktur und schließt die Kante zur vorigen Bahn. Wer zu lange auf derselben Stelle rollt, zieht Farbe wieder ab und hinterlässt helle Flecken.

Beim Auszug aus einer Mietwohnung entbrennt regelmäßig Streit um die Wände. Viele Mieter streichen vorschnell und zahlen dafür, obwohl sie gar nicht müssten. Andere verlassen sich auf ein falsches Verständnis von „besenrein" und riskieren ihre Kaution. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob gestrichen werden muss, sondern was im konkreten Mietvertrag vereinbart wurde und wie die Wände tatsächlich aussehen.

Nach dem Bohren gilt: Nicht sofort den Dübel setzen. Erst prüfen, ob der Bohrer auf Widerstand gestoßen ist oder ob Metallspäne am Bohrer hängen. Beides deutet auf eine Leitung hin. Wer diese Reihenfolge einhält, bohrt ohne böse Überraschung – und spart sich teure Reparaturen, Stromausfälle oder Wasserschäden.

Wann tatsächlich gestrichen werden muss Eine Pflicht entsteht nur, wenn der Vertrag eine wirksame, konkrete Regelung enthält oder wenn die Wände durch den Mieter übermäßig abgenutzt wurden. Normale Gebrauchsspuren wie leichte Vergilbung, einzelne Dübellöcher oder kleine Kratzer muss der Mieter nicht beseitigen. Anders sieht es aus, wenn der Mieter die Wände in kräftigen, ungewöhnlichen Farben gestrichen hat und der Vertrag helle, neutrale Töne vorschreibt. Auch das Entfernen von Tapeten oder das Zuspachteln größerer Schäden kann vertraglich geregelt sein. Entscheidend ist immer der Einzelfall und die Frage, was über die normale Abnutzung hinausgeht.
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