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Nach der Blüte beginnt für viele Orchideen die kritische Phase. Wer jetzt zu spät oder an der falschen Stelle schneidet, nimmt der Pflanze die Möglichkeit, erneut Knospen zu bilden. Die meisten im Handel erhältlichen Phalaenopsis treiben am selben Blütenstiel nach, wenn man ihn richtig behandelt. Entscheidend ist der Zustand des Stiels: Ist er noch grün und fest, nicht braun und hohl, lohnt sich der Schnitt.

Ein einfacher Test hilft, den Lichtwert am Fenster einzuschätzen. Man stellt eine weiße Fläche an die gewünschte Stelle und beobachtet, wie scharf die Schatten über den Tag fallen. Harte, klar abgegrenzte Schatten bedeuten direktes Licht. Weiche, kaum sichtbare Schatten bedeuten indirektes Licht. Danach richtet man die Pflanzen aus. Zusätzlich sollte man die Blätter regelmäßig drehen, damit alle Seiten Licht bekommen. Ein weiterer Fehler: Gießen nach Kalender statt nach Bedarf. An einem Südfenster trocknet die Erde schneller, an einem Nordfenster langsamer. Immer die Erde prüfen, nicht die Uhr.

Um sicher zu gehen, dass wirklich Lichtmangel die Ursache ist, sollte man den Standort prüfen. Ein einfacher Test: Die Hand über die Pflanze halten und den Schatten auf ein weißes Blatt Papier fallen lassen. Ist der Schatten nur schemenhaft zu erkennen, reicht das Licht für die meisten Zimmerpflanzen nicht aus. Ein weiterer Fehler ist, die Pflanze dann einfach näher ans Fenster zu rücken. Bei Südfenstern im Sommer kann das zu Blattverbrennungen führen. Besser ist ein Standort mit hellem, indirektem Licht oder eine Lampe mit tageslichtähnlichem Spektrum, die mindestens zehn Stunden täglich läuft. Der Abstand zur Pflanze sollte so gewählt werden, dass die Blätter sich nicht heiß anfühlen.

1. Wurzeln wachsen aus den Abzugsöffnungen. Drehen Sie den Topf vorsichtig auf die Seite und schauen Sie unter den Boden. Ragen weiße oder braune Wurzelspitzen durch die Löcher, ist der Platz im Inneren längst aufgebraucht. Ein einzelner Wurzelfaden kann harmlos sein, ein dichtes Geflecht ist ein klares Signal. Achtung: Manche Pflanzen treiben aus dem Untertopf Wurzeln, weil sie Feuchtigkeit suchen – das ist kein Ersatz für ausreichenden Platz.

Langzeitdünger: der Unterschied liegt im Zeitpunkt, nicht in der Wirkung Langzeitdünger, oft als umhüllte Granulate, geben Nährstoffe über Monate ab. Die Hülle löst sich abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit auf, nicht von der Gießmenge. Das ist im Freiland ein Vorteil: Einmal im Frühjahr eingearbeitet, reicht die Versorgung für die gesamte Saison. Im Topf funktioniert das nur, wenn die Temperatur einigermaßen stabil bleibt. Auf dem Südbalkon kann die Hülle bei starker Sonneneinstrahlung schneller aufbrechen als angegeben. Wer dann zusätzlich flüssig nachdüngt, überversorgt die Pflanze. Die Folge sind weiche Triebe, dunkelgrüne Blätter mit braunen Spitzen und Anfälligkeit für Schädlinge.

Der Standort entscheidet ebenfalls über den nächsten Blütenansatz. Ein heller Platz ohne direkte Mittagssonne, bei Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad, ist ideal. Wichtig ist ein Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht von etwa fünf Grad. Wer die Pflanze ganzjährig bei gleichbleibender Wärme hält, bekommt oft nur Blätter statt Blüten. Zugluft und Heizungsluft verträgt sie schlecht, ebenso häufiges Umsetzen.

Schneide den Stiel etwa zwei bis drei Zentimeter über dem zweiten oder dritten Auge ab. Das sind die kleinen Verdickungen entlang des Stiels, aus denen neue Triebe austreten. Ein sauberes, scharfes Messer oder eine desinfizierte Schere verhindert Quetschungen und Infektionen. Wer den Stiel komplett bis zum Ansatz entfernt, zwingt die Pflanze in eine längere Ruhepause. Das ist nicht falsch, kostet aber Monate bis zur nächsten Blüte. Ein häufiger Fehler: zu früh schneiden, solange der Stiel noch grün ist und die Pflanze Kraft hineingesteckt hat.

Düngestäbchen arbeiten anders. Sie werden in die Erde gedrückt, meist zwei bis drei Stück pro Topf, und geben ihre Nährstoffe über Wochen bis Monate ab. Der Vorteil liegt im Vergessen: Wer im Frühling steckt, muss bis zum Sommer nicht nachdenken. Der Nachteil ist die fehlende Kontrolle. Bei Hitze und viel Gießwasser lösen sich die Stäbchen schneller, bei kühlem Wetter langsamer. Typische Fehler sind zu viele Stäbchen auf zu kleinem Raum und das Stecken direkt am Wurzelhals. Besser ist es, den Abstand zur Pflanze einzuhalten und die Stäbchen leicht schräg in den Randbereich des Topfes zu setzen.

Gießen und Düngen nach dem Schnitt neu abstimmen Nach der Blüte braucht die Orchidee weniger Wasser, aber nicht weniger Aufmerksamkeit. Tauche den Topf etwa alle sieben bis zehn Tage für zehn Minuten in lauwarmes Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Danach gut abtropfen lassen, denn Staunässe lässt die Wurzeln innerhalb weniger Tage faulen. Ein untrügliches Zeichen für zu viel Wasser sind schlaffe, gelbliche Blätter und braune Wurzelspitzen. Gegossen wird nur, wenn das Substrat fast trocken ist. In der Ruhephase reicht ein Flüssigdünger für Orchideen alle vier Wochen, verdünnt auf die Hälfte der angegebenen Menge.
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